Wie hoch darf der Zaun zum Nachbarn sein? – Vorschriften zum Zaunbau

Benötigt eine Einfriedung eine Baugenehmigung? Sind die Regelungen in allen Bundesländern gleich? Wie hoch darf der Zaun zum Nachbarn sein? Unser Ratgeber beantwortet die wichtigsten Fragen und gibt wertvolle Tipps rund um das Thema Vorschriften bei Zaunbau. 

Zäune sind unerlässlich, um die Privatsphäre in Ihrem Garten zu schützen, Haustiere sicher zu halten und Grundstücksgrenzen festzulegen. Nur wenige Menschen stellen heute in Frage, dass ein guter Zaun für ein neu gebautes oder umgebautes Haus unerlässlich ist.  

Wer plant, einen Zaun oder eine Einfriedung zu errichten, sollte sich vorab mit den rechtlichen Aspekten des Vorhabens beschäftigen. Um die eingangs gestellten Fragen zum Zaunbau und Einfriedung zu beantworten, ist es wichtig, zunächst die beiden Begriffe zu klären. 

Einfriedung – was ist das? 

Als sogenannte Einfriedung wird eine Anlage bezeichnet, mit der ein Grundstück nach außen hin abgegrenzt wird. Das kann verschiedenen Zwecken dienen. Zum einen hindert es Menschen und Tiere daran, Ihr Grundstück zu betreten. Ein Sichtschutzzaun beispielsweise verhindert auch Einblicke von außen auf das Grundstück. Eine Einfriedung kann aber auch dem Schutz Ihrer Kinder oder Haustiere dienen.  

Der Begriff Einfriedung kann man demnach wörtlich nehmen: Die Abgrenzung soll dem Grundstück Frieden verschaffen und ihn bewahren. Einfriedungen lassen sich nochmal in „tote“ und „lebende“unterscheiden. Zu den „toten“ Einfriedungen zählen die Zäune auf die wir uns hier fokussieren und Mauern, zu den „lebenden“ beispielsweise Hecken. Demnach ist ein Zaun nur eine Art einer Einfriedung. 

Besteht eine Einfriedungspflicht? 

In dem Moment, wo ein Nachbar eine Einfriedung verlangt, entsteht eine gesetzliche Einfriedungspflicht. Wobei der Nachbar sein Verlangen nicht in einer bestimmten Form ausdrücken muss. Er kann die Einfriedung also auch mündlich verlangen. 

Unser Tipp: Um im Falle eines Nachbarstreits auf Nummer sicherzugehen, sollten das Einfriedungsverlangen schriftlich festgehalten und quittiert werden. 

In den Bundesländern BW, RP, SL, ST und TH besteht eine Einfriedungspflicht zum Schutz des Nachbarn. Generell gibt es sie, so sie denn ortsüblich ist, auch in BE und BB. In H, NRW, NS und SH besteht eine Einfriedungspflicht für bebaute oder gewerblich genutzte Grundstücke in sogenannter Innenortslage. In BW (Innerortslage), BY, HB, HH, MV und SN besteht keine Einfriedungspflicht. 

Unser Tipp: Das Nachbarrecht ist ein Privatrecht. Daher gilt, dass öffentlich geregeltes Recht wie Baurecht, Straßen- und Wegerecht sowie Naturschutzrecht vorrangig ist. 

Welche Zaunarten gibt es? 

Lassen Sie uns nochmal kurz über die verschiedenen Arten von Zäunen sprechen. Zäune lassen sich nach ihrer Bauweise, dem Material und dem Zweck unterschieden. Die gängigsten Materialien sind Holz, Metall, Stein oder Kunststoff bzw. WPC. Auch üblich sind Kombinationen aus diesen Materialien. Aus diesen Werkstoffen lassen sich beispielsweise Lattenzäune, Maschendrahtzäune, oder Gabionen fertigen. Die meisten  

Aber jetzt ist an der Zeit, nach dem, wortwörtlich, Rechten zu schauen. 

Wann benötigt man eine Genehmigung für einen Zaun? 

Die Montage eines Zauns oder einer Einfriedung ist ein Vorhaben, das Sie rechtlich absichern müssen. Um einen Überblick über die für Sie geltenden Richtlinien zu erhalten, sind folgende Anlaufstellen wichtig: 

  • Das geltende Nachbarrechtsgesetz  
  • Die Bauordnung Ihres Bundeslandes vorschreibt (Landesbauordnung), 
  • Das zuständigee Bauamt  

Für manche Einfriedungen benötigen Sie nämlich „nur“ eine amtliche (örtlich zuständige Baubehörde) Genehmigung, während Sie für eine andere mitunter zusätzlich das Einverständnis Ihres Nachbarn oder gar eine Genehmigung Ihres Bundeslandes einholen müssen. 

Wie hoch darf der Zaun zum Nachbarn sein?

Um den Frieden zu wahren, sind Zaunbaugesetze schon seit vielen Jahren wichtig. Jeder Staat, jede Stadt und jeder Bezirk ist anders, und das bedeutet, dass auch die Gesetze unterschiedlich sind. Gesetze werden erlassen, um die visuelle Struktur Ihres Gebiets zu schützen und den zivilen und nachbarschaftlichen Umgang der Nachbarn untereinander zu gewährleisten. Diese Zaunbaugesetze sind nur die Grundlagen, die Sie in den meisten Gebieten erwarten können. 

Um herauszufinden, ob diese Gesetze auf Sie zutreffen, sollten Sie sich zunächst an die Planungs- und Genehmigungsabteilung der Stadt oder des Bezirks wenden. Auch wenn die Gesetze, Vorschriften und Zoneneinteilungen für Zäune von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich sind, gibt es doch ein paar gemeinsame Themen: Benachrichtigung, Kosten, Position und Platzierung sowie Höhe und Art des Zauns. 

Wer eine Hecke als Abgrenzung zum Nachbarn pflanzt, der muss nachbarrechtliche Grenzabstände für Hecken beachten.  

Für Abgrenzungen durch einen Zaun gilt: Wurden dieser mit der Zustimmung (Genehmigung) des Nachbarn errichtet, dürfen Sie sie ohne dessen Einverständnis weder eigenmächtig verändern noch entfernen.  

Der Sichtschutzzaun 

Handelsübliche Sichtschutzzäune haben in der Regel Höhen zwischen 1,70 und 2,10 Metern. Damit gelten sie unter Umständen als bauliche Anlagen und bedürfen einer Genehmigung.  

Wie hoch darf der Zaun zum Nachbarn sein?
Sichtschutzzaun- Wie hoch darf der Zaun zum Nachbarn sein?

Was bedeutet ortsüblich? 

Ein guter erster Schritt, bevor Sie einen Zaun planen und errichten, ist sich in der Nachbarschaft umzuschauen, welche Zäune und Einfriedungen Sie dort finden und woraus diese gefertigt sind. Das, was Sie zum großen Teil an Zäunen und Einfriedungen vorfinden, ist bei Ihnen „ortsüblich“ – und daran sollten Sie sich halten. 

Bei großen Unterschieden, gelten die von den Bundesländern festgelegten Regelungen zur Höhe von Zäunen und Einfriedungen. Dazu müssen Sie wissen, dass bis auf die Bundesländer Bayern, Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern alle Bundesländer Nachbarrechtsgesetze aufgestellt haben.  

Bundesland Vorschriften zur Höhe von Einfriedungen 
Hessen 
Niedersachsen 
Nordrhein-Westfalen 
Rheinland-Pfalz 
Saarland 
Schleswig-Holstein
Thüringen 
1,20m 
Berlin 
Brandenburg 
1,25m 
Sachsen 
Sachsen-Anhalt 
2,00m 

Eine wichtige Faustregel ist: Eine Baugenehmigung für Einfriedungen ist immer dann notwendig, wenn diese anders ist als 

  • Die ortsüblichen 
  • Die vom Gesetz vorgeschriebenen 

Oder wenn die Einfriedungen an eine öffentliche Verkehrsfläche grenzen. 

Die Kosten für die Baugenehmigung für den Zaun richten sich nach den Landesgebührenordnungen der jeweiligen Bundesländer. 

Wer ist fürs Errichten von Zaun und Einfriedung zuständig? 

Wenn eine Einfriedungspflicht besteht, gibt es je nach Bundesland zwei unterschiedliche Regelungen dazu, wer die Kosten für den Zaun tragen muss: 

  • Eine gemeinsame Einfriedung: Bei einer gemeinsamen Einfriedung teilen sich beide Nachbarn die Kosten für den Zaun (§ 922 BGB). 
  • Eine Rechtseinfriedung: Bei einer Rechtseinfriedung gilt: Der Eigentümer, dessen Grundstück – von der Straße aus gesehen – auf der linken Seite liegt muss den Zaun bezahlen. Diese Regelung stammt noch aus dem Allgemeinen Preußischen Landrecht und gilt nur in Berlin, Brandenburg und Niedersachsen. Die Kosten für den Zaun müssen Sie also nur alleine tragen, wenn Sie in einem der drei Bundesländer mit Rechtseinfriedungspflicht wohnt. 

Übrigens: Auch die Kosten für den Unterhalt und die Wartung der Einfriedung müssen bei der gemeinsamen Einfriedung geteilt werden.  

Wie hoch darf der Zaun zum Nachbarn sein? – Vorschriften zum Zaunbau

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